Vergiftetes Lob für Deutsche Versicherer von Herrn Bernardino

Nach dem bemerkenswerten Auftritt letzte Woche Freitag auf dem Internationalen Aktuarskongess ICA gibt es ein weiteres überraschendes Statement, wie die FAZ in ihrer Ausgabe vom 14. Juni berichtet. Deutsche Versicherer seien  insgesamt stabil. Aber: „Es gibt eine Reihe von Unternehmen in Deutschland, die ohne Übergangsregeln insolvent wären“, sagte Bernardino vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten Dienstagabend. Die Übergangsregeln dienten aber gerade dazu, die Geschäftsmodelle zukunftsfähig zu machen. Auf dieses Lob hätten die Versicherer sicherlich gerne verzichtet.

AXA wickelt die Unfall-Kombi-Rente ab

Überraschung von der AXA: das erste am Markt erschienene Multi-Risk-Produkt in der Unfallversicherung AXA-Unfall-Kombirente soll abgewickelt werden. Wie die Süddeutsche Zeitung und die FAZ berichten, sollen die bestehenden Verträge gekündigt werden. Als Multi-Risk-Produkt der ersten Generation wurden die aus der Unfallversicherung üblichen Rahmenbedingungen wie Kündigungsmöglichkeiten seitens des Versicherers übernommen.

Aus den spärlichen Kommentaren der AXA zu den Gründen lässt sich vermuten, dass die Invalidenrentenbarwerte die Probleme in der Kalkulation sind. Die Kalkulation von lebenslangen Rentenzahlungen gepaart mit einer schwer abzuschätzenden Sterblichkeit der Invaliden gehört zu den komplexen Aufgaben eines Aktuars und bereitet auch in anderen Produkten wie der Pflegeversicherung Schwierigkeiten.

Die Kündigungsmöglichkeit gehörte von Anfang an zu den Schwachpunkten einer Arbeitskraftabsicherung in der Unfallversicherung. Dennoch ist es  überraschend, dass die AXA nach ca. 10 Jahren die Reißleine zieht bei einer überschaubaren Anzahl von Verträgen, und dafür die Reputation der AXA und der alternativen Arbeitskraftabsicherungen insgesamt gefährdet.

Die Versicherer und die Deutschland-Rente

Wie die FAZ in der Ausgabe von 24.5.2018 berichtet, geht die Diskussion um die zukünftige kapitalgedeckte Altersvorsorge und die Deutschland-Rente und das Ringen zwischen einem „Staatsfonds“ und den Angeboten der privaten Versicherungswirtschaft weiter. Dabei lässt sich eine Deutschland-Rente bereits jetzt für jeden Kunden selber konstruieren: man nehme einen Robo-Adviser wie scalable, konstruiere einen Auszahlungsplan ab dem Renteneintrittsalter bis zum z.B. 80. Lebensjahr und lasse eine klassische Leibrente anschließen. Voila. Einen attraktiven Auszahlungsplan mit guten Konditionen bei gleichzeitiger  Anlage am Kapitalmarkt hat z.B. Frank Genheimer von New Insurance Business am Mittwoch in Wien vorgestellt.

Man darf gespannt sein, wann die ersten Versicherer derartige Angebote unterbreiten.

Kompaktes Seminar zu modernen Lebensversicherungsprodukten in Wien stattgefunden

Mit 23 Teilnehmern und 16 Unternehmen gab es gestern ein bunt gemischtes Publikum beim Seminar  „Moderne Lebensversicherungsprodukte“ in Wien. Angeboten und organisiert wurde das Seminar von Herrn Prieler im Namen der Österreichische Förderungsgesellschaft der Versicherungsmathematik GmbH (ÖFdV-GmbH), der Projektgesellschaft der Aktuar Vereinigung Österreich (AVÖ). In einem wunderschönen Palais gelegen, wurde den Teilnehmen am Vormittag eine Übersicht zu aktuellen Sparprodukten vorgestellt. Die Entwicklung von der klassischen Lebensversicherung mit Deckungsstock und Höchstrechnungszins hin zu „Select“-Produkten mit Partizipation an dem Kapitalmarkt oder individuellen Tranchenlösungen  zeigt überdeutlich, dass das Einheitsangebot passé ist. Die Zinssituation erfordert neue Angebote. Diese Lösungen, aber auch evtl. Hürden hat Herr Genheimer präzise und übersichtlich aufgezeigt.

Am Nachmittag führte ich einem Parforceritt gleich durch die Biometrie, die in Österreich bisher noch keine vergleichbar prominente Rolle spielt wie in Deutschland. Dennoch ändert sich auch in Österreich die Sozialgesetzgebung, was einer zusätzlichen privaten Absicherung z.B. der Berufsunfähigkeit Aufwind geben sollte. Die behandelten Themen wie Risikodifferenzierung, Berufsgruppenunterscheidung, Grundfähigkeitsversicherung, Herleitung von Rechnungsgrundlagen, aber auch Leistungserweiterungen wie Krankenstandabsicherung bieten auch für Österreich eine Vielfalt an Möglichkeiten. Die Gesellschaften vor Ort können am besten einschätzen, was für Österreicher interessant ist.

Der Nachmittag schloss mit einem kurzen Einblick in die Welt der Insurtechs und die neue Aufstellung. Getsurance, Ottonova, nexible und co. probieren vieles aus und sammeln wertvolle Erfahrung. Wie Frank Genheimer betont, mangelt es nicht an Ideen, sondern an dem Mut der Umsetzung, und dies innerhalb der klassischen Versichererwelt.

Design Thinking bei der Talanx

Design Thinking entwickelt sich immer stärker zum neuen Modebegriff. Dabei ist eine kundenzentrierte Denkweise in der Produktentwicklung an sich nichts neues. Die neuen Startups in der Versicherungswirtschaft bringen jedoch neuen Schwung durch ihre unverbrauchte und forsche Art.

Die Talanx hat dies nun für den Bereich der Altersvorsorge durchexerziert, wie die FAZ in ihrer Ausgabe vom 24. April berichtet und auch auf FONDS professionell nachgelesen werden kann. Wenig überraschend verlangen junge Kunden von heute Flexibilität und Transparenz. Flexibilität, um veränderten Lebenssituationen gerecht zu werden und evtl. auch enttäuschte Erwartungen zu korrigieren. Transparenz, um jederzeit einen genauen Überblick über das Ersparte zu gewinnen. Ein mögliches Ergebnis der Arbeiten bei Talanx  wäre eine fondsgebundene Versicherung mit einem Mischfonds aus Indexfonds und dem klassischen Deckungsstock.

Wie bereits im Blogbeitrag vom 9. April erwähnt gerät die klassische Lebensversicherung immer stärker unter Druck. Beispiele für neue Ansätze findet man derzeit eher noch selten. Die Ideal mit ihrer UniversalLife gehört zum bisher einzigen Anbieter, der ein Kontomodell anbietet mit jederzeitigem Abruf des Vertragsstandes und gleichzeitig eine hohe Flexibilität integriert.

Auf die Biometrie übertragen lässt sich sagen, dass Flexibilität bereits recht weitgehend in den Versicherungsbedingungen enthalten ist. Leider wird diese vom Kunden nicht wahrgenommen. Für eine echte Transparenz  ist die IT der Versicherungswirtschaft vermutlich noch nicht bereit. Transparenz in der Biometrie läge dabei eher bei den versicherten Umständen, Bedingungen und Optionen als beim monetären Vertragsstand.

 

Seminare zur Lebensversicherung in Wien und Zürich und Webinar in Deutschland

Auf zwei Seminare zu Produkten in der Lebensversicherung möchte ich hinweisen.  Die Österreichische Aktuarvereinigung veranstaltet am 23. Mai das Tagesseminar zu „Modernen Lebensversicherungsprodukten“ in Wien. Herr Genheimer führt in die aktuellen Sparprodukte und die Technik dahinter ein. Ich referiere zu biometrischen Produkten. Gemeinsam behandeln wir anschließend, wie ein modernes Lebensversicherungsprodukt in der digitalen Welt aussehen kann.

Weitere Informationen und Anmeldung unter folgendem Link. (Moderne Lebensversicherungprodukte in Wien, AVÖ)

Am 26. Juni findet ein Produkte Après-midi zum Thema Risikoprodukte in der Lebensversicherung in Zürich statt, veranstaltet von der schweizerischen Aktuarvereinigung. Die Nachmittagsveranstaltung konzentriert sich auf Risikoprodukte und wie mit moderner Kapitalanlage und den Möglichkeiten der digitalen Prozesse Neuentwicklungen durchgeführt werden können, vorgestellt von Herrn Genheimer. Als Einführung gibt es einen Überblick über Absicherungsmöglichkeiten der Invalidität am Beispiel Deutschlands. Berufsunfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- und Dread Disease-Versicherungen suchen ihre Zielgruppe. Zusätzlich wird auf Risikodifferenzierungen, Leistungserweiterungen und Kombinationsprodukten eingegangen.

Weitere Informationen und Anmeldung unter folgendem Link. (Produkt Après-midi Risikoprodukte Zürich, SAV)

Außerdem findet im Herbst eine Webinarreihe der Deutschen Aktuarvereinigung zur Produktlandschaft in der Lebensversicherung statt. Die drei Webinare behandeln die klassischen Spar- und Rentenprodukte, die moderne Klassik inkl. des Umgangs mit der Rentenbezugsphase und als letztes BU & Co: Invaliditätsprodukte und Ihre Ausgestaltung. Die Reihe kann komplett oder jede Veranstaltung auch einzeln gebucht werden.

Weitere Informationen und Anmeldung unter folgendem Link. (Webinarreihe Produkte Lebensversicherung, DAV)

 

Getsafe kündigt Arbeitskraftabsicherung an

Wie Christian Wiens, CEO von Getsafe, in einem Kurzinterview ausführt, wird Getsafe eine Arbeitskraftabsicherung entwickeln, die zu bisherigen Angeboten hinzugebucht werden kann. Nach Getsurance wäre dies dann der zweite volldigitale Anbieter. Ob Getsafe eine vollwertige Absicherung gegen Invalidität zukünftig anbietet, wird sich zeigen.