John Hancock und Vitality – die wahre Geschichte

John Hancock macht Vitality zum Pflichtprogramm – FitnessTracker und Gesundheitsdaten für Versicherer. Diese und ähnliche Schlagzeilen machten die letzten zwei Wochen die Runde. Ein Blick in die amerikanische Medien und auf die Firmenwebsite zeigt jedoch, dass John Hancock kein Pflichtprogramm den Kunden auferlegt, sondern eine Basisversion des Vitality-Programms zukünftig kostenlos jedem Kunden beilegt.

https://www.johnhancockinsurance.com/vitality-program.html

Vitality ist das größte Gesundheitsprogramm, welches von Discovery aus Südafrika entwickelt und mittlerweile weltweit vertrieben wird. Exklusiver Partner für Westeuropa ist die Generali Group. Vitality versteht sich als gesundheitsorientiertes Loyalty-Programm, bei dem Kunden durch Sport, geunsde Ernährung, gesunde Lebensführung etc. Bonuspunkte sammeln und diese in Rabatte, Goodies etc. eintauschen können. Dabei sind auch Rabatte für Lebensversicherungen möglich. Die Mitgliedschaft im Programm ist ursprünglich kostenpflichtig mit Jahresbeiträgen in einer Größenordnung von ca. 30 Euro.

John Hancock geht also den  konsequenten nächsten Schritt und sponsert jedem Kunden eine kostenlose Mitgliedschaft. Diese kann, muss aber nicht vom Kunden genutzt werden. Hancock ist von der positiven Wirkung überzeugt.

Dies wäre  auch ein Weg für die Generali in Deutschland, Vitality  mehr Leben einzuhauchen.

Dritter und letzter Teil der Seminarreihe «Produktlandschaft in der Lebensversicherung – BU und Co.» am 28. September

Nach zwei hochinformativen Webinaren zur modernen Produktlandschaft in der Lebensversicherung, Schwerpunkt Sparprodukte, Kapitalanlage, Rentenbezugsphase und anlageorientierte Risikoprodukte, folgt nächste Woche Freitag der letzte Teil mit dem Fokus Invaliditätsprodukte. Alleine in den letzten drei Monaten sind vier neue oder überarbeitete Grundfähigkeitsprodukte auf den Markt gekommen. Zusätzlich eine ganze Reihe weiterentwickelter Berufsunfähigkeitsversicherungen. Aktueller Trend ist – wie heute bereits angesprochen – eine modulare Produktentwicklung. Mehr dazu nächste Woche Freitag ab 10 Uhr. Anmeldungen sind über die DAA jederzeit noch möglich.

WEB1816: Produktlandschaft in der LV – BU & Co Attraktive Invaliditätsprodukte und Ausgestalt.

Vergiftetes Lob für Deutsche Versicherer von Herrn Bernardino

Nach dem bemerkenswerten Auftritt letzte Woche Freitag auf dem Internationalen Aktuarskongess ICA gibt es ein weiteres überraschendes Statement, wie die FAZ in ihrer Ausgabe vom 14. Juni berichtet. Deutsche Versicherer seien  insgesamt stabil. Aber: „Es gibt eine Reihe von Unternehmen in Deutschland, die ohne Übergangsregeln insolvent wären“, sagte Bernardino vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten Dienstagabend. Die Übergangsregeln dienten aber gerade dazu, die Geschäftsmodelle zukunftsfähig zu machen. Auf dieses Lob hätten die Versicherer sicherlich gerne verzichtet.

AXA wickelt die Unfall-Kombi-Rente ab

Überraschung von der AXA: das erste am Markt erschienene Multi-Risk-Produkt in der Unfallversicherung AXA-Unfall-Kombirente soll abgewickelt werden. Wie die Süddeutsche Zeitung und die FAZ berichten, sollen die bestehenden Verträge gekündigt werden. Als Multi-Risk-Produkt der ersten Generation wurden die aus der Unfallversicherung üblichen Rahmenbedingungen wie Kündigungsmöglichkeiten seitens des Versicherers übernommen.

Aus den spärlichen Kommentaren der AXA zu den Gründen lässt sich vermuten, dass die Invalidenrentenbarwerte die Probleme in der Kalkulation sind. Die Kalkulation von lebenslangen Rentenzahlungen gepaart mit einer schwer abzuschätzenden Sterblichkeit der Invaliden gehört zu den komplexen Aufgaben eines Aktuars und bereitet auch in anderen Produkten wie der Pflegeversicherung Schwierigkeiten.

Die Kündigungsmöglichkeit gehörte von Anfang an zu den Schwachpunkten einer Arbeitskraftabsicherung in der Unfallversicherung. Dennoch ist es  überraschend, dass die AXA nach ca. 10 Jahren die Reißleine zieht bei einer überschaubaren Anzahl von Verträgen, und dafür die Reputation der AXA und der alternativen Arbeitskraftabsicherungen insgesamt gefährdet.

Die Versicherer und die Deutschland-Rente

Wie die FAZ in der Ausgabe von 24.5.2018 berichtet, geht die Diskussion um die zukünftige kapitalgedeckte Altersvorsorge und die Deutschland-Rente und das Ringen zwischen einem „Staatsfonds“ und den Angeboten der privaten Versicherungswirtschaft weiter. Dabei lässt sich eine Deutschland-Rente bereits jetzt für jeden Kunden selber konstruieren: man nehme einen Robo-Adviser wie scalable, konstruiere einen Auszahlungsplan ab dem Renteneintrittsalter bis zum z.B. 80. Lebensjahr und lasse eine klassische Leibrente anschließen. Voila. Einen attraktiven Auszahlungsplan mit guten Konditionen bei gleichzeitiger  Anlage am Kapitalmarkt hat z.B. Frank Genheimer von New Insurance Business am Mittwoch in Wien vorgestellt.

Man darf gespannt sein, wann die ersten Versicherer derartige Angebote unterbreiten.

Kompaktes Seminar zu modernen Lebensversicherungsprodukten in Wien stattgefunden

Mit 23 Teilnehmern und 16 Unternehmen gab es gestern ein bunt gemischtes Publikum beim Seminar  „Moderne Lebensversicherungsprodukte“ in Wien. Angeboten und organisiert wurde das Seminar von Herrn Prieler im Namen der Österreichische Förderungsgesellschaft der Versicherungsmathematik GmbH (ÖFdV-GmbH), der Projektgesellschaft der Aktuar Vereinigung Österreich (AVÖ). In einem wunderschönen Palais gelegen, wurde den Teilnehmen am Vormittag eine Übersicht zu aktuellen Sparprodukten vorgestellt. Die Entwicklung von der klassischen Lebensversicherung mit Deckungsstock und Höchstrechnungszins hin zu „Select“-Produkten mit Partizipation an dem Kapitalmarkt oder individuellen Tranchenlösungen  zeigt überdeutlich, dass das Einheitsangebot passé ist. Die Zinssituation erfordert neue Angebote. Diese Lösungen, aber auch evtl. Hürden hat Herr Genheimer präzise und übersichtlich aufgezeigt.

Am Nachmittag führte ich einem Parforceritt gleich durch die Biometrie, die in Österreich bisher noch keine vergleichbar prominente Rolle spielt wie in Deutschland. Dennoch ändert sich auch in Österreich die Sozialgesetzgebung, was einer zusätzlichen privaten Absicherung z.B. der Berufsunfähigkeit Aufwind geben sollte. Die behandelten Themen wie Risikodifferenzierung, Berufsgruppenunterscheidung, Grundfähigkeitsversicherung, Herleitung von Rechnungsgrundlagen, aber auch Leistungserweiterungen wie Krankenstandabsicherung bieten auch für Österreich eine Vielfalt an Möglichkeiten. Die Gesellschaften vor Ort können am besten einschätzen, was für Österreicher interessant ist.

Der Nachmittag schloss mit einem kurzen Einblick in die Welt der Insurtechs und die neue Aufstellung. Getsurance, Ottonova, nexible und co. probieren vieles aus und sammeln wertvolle Erfahrung. Wie Frank Genheimer betont, mangelt es nicht an Ideen, sondern an dem Mut der Umsetzung, und dies innerhalb der klassischen Versichererwelt.

Design Thinking bei der Talanx

Design Thinking entwickelt sich immer stärker zum neuen Modebegriff. Dabei ist eine kundenzentrierte Denkweise in der Produktentwicklung an sich nichts neues. Die neuen Startups in der Versicherungswirtschaft bringen jedoch neuen Schwung durch ihre unverbrauchte und forsche Art.

Die Talanx hat dies nun für den Bereich der Altersvorsorge durchexerziert, wie die FAZ in ihrer Ausgabe vom 24. April berichtet und auch auf FONDS professionell nachgelesen werden kann. Wenig überraschend verlangen junge Kunden von heute Flexibilität und Transparenz. Flexibilität, um veränderten Lebenssituationen gerecht zu werden und evtl. auch enttäuschte Erwartungen zu korrigieren. Transparenz, um jederzeit einen genauen Überblick über das Ersparte zu gewinnen. Ein mögliches Ergebnis der Arbeiten bei Talanx  wäre eine fondsgebundene Versicherung mit einem Mischfonds aus Indexfonds und dem klassischen Deckungsstock.

Wie bereits im Blogbeitrag vom 9. April erwähnt gerät die klassische Lebensversicherung immer stärker unter Druck. Beispiele für neue Ansätze findet man derzeit eher noch selten. Die Ideal mit ihrer UniversalLife gehört zum bisher einzigen Anbieter, der ein Kontomodell anbietet mit jederzeitigem Abruf des Vertragsstandes und gleichzeitig eine hohe Flexibilität integriert.

Auf die Biometrie übertragen lässt sich sagen, dass Flexibilität bereits recht weitgehend in den Versicherungsbedingungen enthalten ist. Leider wird diese vom Kunden nicht wahrgenommen. Für eine echte Transparenz  ist die IT der Versicherungswirtschaft vermutlich noch nicht bereit. Transparenz in der Biometrie läge dabei eher bei den versicherten Umständen, Bedingungen und Optionen als beim monetären Vertragsstand.