Zinsen ohne Zukunft – Über Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur

Der aufmerksame Verfolger der volkswirtschaftlichen Diskussion zu den Hintergründen der aktuell niedrigen Zinsen kennt die beiden wesentlichen konkurrierenden Theorien: Einfluss der Zentralbanken vs. demografische Effekte und Verlagerung der Wertschöpfung in wenig kapitalintensive Industrien. Wie die FAZ die Tage berichtet (paywall),  scheint sich langsam die Waage in Richtung der letzteren Variante zu neigen. Unerklärlich hohe Aktienkurse scheinen dies zu untermauern.  Falls dies zutreffen sollte, muss man sich auf langfristig niedrige Zinsen einstellen (!). Die einzige rentable Geldanlage bestünde damit in Sachwerten. Für Lebensversicherer ein weiterer Grund, die Vermögensbildung stärker zu diversifizieren und dies auch den Kunden zu erläutern. Und gleichzeitig Abschied zu nehmen von der traditionellen Lebensversicherung.

Korrelation und Kausalität bei Machine Learning

Gut lesbarer Artikel zu den Stärken und Schwächen der aktuell eingesetzten Machine-Learning-Verfahren in der FAZ vom 17. Juni 2019 (paywall).

Das Erstellen von Prognosen  (Korrelation) ist viel einfacher als die Hintergründe hierzu  zu verstehen (Kausalität). Dies wird anschaulich und auch für Laien gut verständlich dargestellt. Letzteres ist damit die Königsdisziplin und in der Medizin Standard. Hintergrundwissen oder Domain Knowledge sind gerade hierfür, für das Verständnis, noch unentbehrlich.   Wie weit neue Ansätze wie Double Machine Learning tragen, wird sich zeigen.

 

 

DAA – Webinar: Update zur Produktlandschaft in der Lebensversicherung

Nach dem dreiteiligen Webinar „Produktlandschaft in der Lebensversicherung“ im letzten Herbst gemeinsam mit Frank Genheimer gibt es am 3. Juni ein Update hierzu. Frank Genheimer blickt auf neue Wege in  der Produktentwicklung und die veränderten Ansätze und Einsichten hierzu, Stichwort Einfachheit und Digitalisierung. Aktuelle Entwicklungen bei Spar- und Rentenprodukten und Beispiele aus anderen Märkten zeigen mögliche Entwicklungen auch in Deutschland.

Thomas Gehling stellt die aktuellen Trends bei Risikoprodukten vor. Besonders Grundfähigkeitsversicherungen etablieren sich als Ergänzung und Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Es gibt immer mehr Anbieter, und viele Produkte erleben bereits ihre zweite Generation. Aber auch die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung und Einfachheit werden bei Produktüberarbeitungen genutzt. .

WEB19-15: Update zur Produktlandschaft in der Lebensversicherung

Big Data / AI in der deutschen Versicherungswirtschaft

Die BaFin hat im Sommer dieses Jahres eine umfangreiche Studie zu Big Data / AI in der Finanzwirtschaft veröffentlicht.

Die Bundestagsfraktion der FDP hat dazu gezielt eine kleine Anfrage an die Bundesregierung zum Versicherungssektor gestellt. So sind bei 34 Versicherungsunternehmen Entscheidungsprozesse vollautomatisiert. Vier weitere Unternehmen planen die Einführung vollautomatisierter Entscheidungsprozesse. Neben diesen wenigen Angaben zur Nutzung von BDAI bei Versicherern lohnt eine Durchsicht der restlichen Fragen und Antworten, auch wenn kleine Anfragen nicht schön zu lesen sind. So zum Beispiel zu aufsichtsrechtlichen Anforderungen an den Einsatz von BDAI, oder dass die BaFin derzeit kein Rundschreiben zu diesem Thema plant.

Prozessbeschleunigung und eine Verbesserung der Qualität von Entscheidungen stehen aktuell im Zentrum des BDAI Einsatzes. Jeder Versicherer sollte dieses Thema angehen.

https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Pressemitteilung/2018/pm_180614_bdai_studie.html

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/063/1906310.pdf

John Hancock und Vitality – die wahre Geschichte

John Hancock macht Vitality zum Pflichtprogramm – FitnessTracker und Gesundheitsdaten für Versicherer. Diese und ähnliche Schlagzeilen machten die letzten zwei Wochen die Runde. Ein Blick in die amerikanische Medien und auf die Firmenwebsite zeigt jedoch, dass John Hancock kein Pflichtprogramm den Kunden auferlegt, sondern eine Basisversion des Vitality-Programms zukünftig kostenlos jedem Kunden beilegt.

https://www.johnhancockinsurance.com/vitality-program.html

Vitality ist das größte Gesundheitsprogramm, welches von Discovery aus Südafrika entwickelt und mittlerweile weltweit vertrieben wird. Exklusiver Partner für Westeuropa ist die Generali Group. Vitality versteht sich als gesundheitsorientiertes Loyalty-Programm, bei dem Kunden durch Sport, geunsde Ernährung, gesunde Lebensführung etc. Bonuspunkte sammeln und diese in Rabatte, Goodies etc. eintauschen können. Dabei sind auch Rabatte für Lebensversicherungen möglich. Die Mitgliedschaft im Programm ist ursprünglich kostenpflichtig mit Jahresbeiträgen in einer Größenordnung von ca. 30 Euro.

John Hancock geht also den  konsequenten nächsten Schritt und sponsert jedem Kunden eine kostenlose Mitgliedschaft. Diese kann, muss aber nicht vom Kunden genutzt werden. Hancock ist von der positiven Wirkung überzeugt.

Dies wäre  auch ein Weg für die Generali in Deutschland, Vitality  mehr Leben einzuhauchen.

Dritter und letzter Teil der Seminarreihe «Produktlandschaft in der Lebensversicherung – BU und Co.» am 28. September

Nach zwei hochinformativen Webinaren zur modernen Produktlandschaft in der Lebensversicherung, Schwerpunkt Sparprodukte, Kapitalanlage, Rentenbezugsphase und anlageorientierte Risikoprodukte, folgt nächste Woche Freitag der letzte Teil mit dem Fokus Invaliditätsprodukte. Alleine in den letzten drei Monaten sind vier neue oder überarbeitete Grundfähigkeitsprodukte auf den Markt gekommen. Zusätzlich eine ganze Reihe weiterentwickelter Berufsunfähigkeitsversicherungen. Aktueller Trend ist – wie heute bereits angesprochen – eine modulare Produktentwicklung. Mehr dazu nächste Woche Freitag ab 10 Uhr. Anmeldungen sind über die DAA jederzeit noch möglich.

WEB1816: Produktlandschaft in der LV – BU & Co Attraktive Invaliditätsprodukte und Ausgestalt.

Vergiftetes Lob für Deutsche Versicherer von Herrn Bernardino

Nach dem bemerkenswerten Auftritt letzte Woche Freitag auf dem Internationalen Aktuarskongess ICA gibt es ein weiteres überraschendes Statement, wie die FAZ in ihrer Ausgabe vom 14. Juni berichtet. Deutsche Versicherer seien  insgesamt stabil. Aber: „Es gibt eine Reihe von Unternehmen in Deutschland, die ohne Übergangsregeln insolvent wären“, sagte Bernardino vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten Dienstagabend. Die Übergangsregeln dienten aber gerade dazu, die Geschäftsmodelle zukunftsfähig zu machen. Auf dieses Lob hätten die Versicherer sicherlich gerne verzichtet.

AXA wickelt die Unfall-Kombi-Rente ab

Überraschung von der AXA: das erste am Markt erschienene Multi-Risk-Produkt in der Unfallversicherung AXA-Unfall-Kombirente soll abgewickelt werden. Wie die Süddeutsche Zeitung und die FAZ berichten, sollen die bestehenden Verträge gekündigt werden. Als Multi-Risk-Produkt der ersten Generation wurden die aus der Unfallversicherung üblichen Rahmenbedingungen wie Kündigungsmöglichkeiten seitens des Versicherers übernommen.

Aus den spärlichen Kommentaren der AXA zu den Gründen lässt sich vermuten, dass die Invalidenrentenbarwerte die Probleme in der Kalkulation sind. Die Kalkulation von lebenslangen Rentenzahlungen gepaart mit einer schwer abzuschätzenden Sterblichkeit der Invaliden gehört zu den komplexen Aufgaben eines Aktuars und bereitet auch in anderen Produkten wie der Pflegeversicherung Schwierigkeiten.

Die Kündigungsmöglichkeit gehörte von Anfang an zu den Schwachpunkten einer Arbeitskraftabsicherung in der Unfallversicherung. Dennoch ist es  überraschend, dass die AXA nach ca. 10 Jahren die Reißleine zieht bei einer überschaubaren Anzahl von Verträgen, und dafür die Reputation der AXA und der alternativen Arbeitskraftabsicherungen insgesamt gefährdet.